Ein Gedankengang nach vier Monaten und 10 Tagen in Kanada:
Was man nicht alles so lernt, wenn man fort ist.
Lektion I: Über die Wirksamkeit des schulischen Lernstoffes
Die Australier sagen wie wir „kaputt“.
Die Kanadier wünschen dir nach einem Niesen „Gesundheit“ und nicht „bless you“.
Doch vor allen Dingen ist das englisch, das wir in der Schule lernen kein British English. Habt ihr schon mal einen Briten reden hören? Bei denen heißt es „Dank juu“ anstatt „Thank you“ (von wegen „th“!!) und die Tasche heißt auch nicht bag (sprich bäg), sondern wirklich „bag“ mit „aa“.
Redet ein Brite mit mir, so schaue ich ihn wohl mit einem stetig verkniffenen Gesicht an, denn ich muss mich jedes Mal ziemlich konzentrieren seine „tuk-tok-tek“ ähnelnden Laute als bekannte englische Wörter zu identifizieren.
Lektion II: Über die kanadische Sprache
Man sollte auch meinen, Kanadier sind aufgrund der Bilingualität ihres Landes in der Lage englisch UND französisch zu sprechen.
Nein – sie sind es nicht.
Die englischsprachigen Kanadier sehen keinen Grund darin eine andere Sprache zu erlernen, wenn doch ihre Muttersprache praktischerweise zur Weltsprache ernannt wurde. Und was die frankophonen Kanadier angeht: Sie weigern sich schlicht und einfach, ganz wie ihre europäischen Verwandten, eine andere Sprache als ihre Muttersprache zu sprechen.
"Herzlichen Glückwunsch" dachte ich mir dazu erst recht, als ich vor Kurzem „Franzosen“ aus Quebec reden hörte. Also DAS war ebenfalls nicht das Französisch, das ich in der Schule lernte. Diese Menschen verwendeten Laute, die mehr an ein Tier wie an Französisch erinnerten. Zu guter Letzt erzählte mir ein netter Herr auch noch, dass die Franzosen aus Frankreich ironischerweise besser im englischsprachigen Teil Kanadas aufgehoben sind, da es oftmals zu größeren Verständigungsproblemen zwischen ihnen und den Quebec-Kanadier kommt. (Allderings kann ich nicht bezeugen, dass dies der Wahrheit entspricht.)
Betrachtet man nun wieder die englischsprachigen Kanadier, so stülpen sich einem regelmäßig die Zehnägel um, wenn man hört, wie eben jene (Kanadier, nicht Zehnägel) aus dem Französisch stammende Wörter aussprechen. So sagen sie zum Bestellen eines großen Milchkaffees (engl.: a grande latte) im schönen kanadischen Slang „eii granndéi lattei“.
Merke: Versuche niemals etwas richtig französisch auszusprechen, denn sie werden dich nicht verstehen.
Lektion III: Über das Reisen im eigenen Land
Erzählt man einem aus dem Süden stammenden Kanadier, dass man nun gegen Norden reist, wird dieser mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit geradezu spöttisch antworten: „Was willst du denn dort?! Hier ist es doch am Schönsten!“
Reist man von Norden nach Süden, ist plötzlich der Norden viel, viel besser als der Süden und natürlich ist es das Gleiche mit dem Osten und dem Westen Kanadas.
So gelangt man nun unweigerlich zu zwei Schlussfolgerungen: entweder ist ganz Kanada nicht wirklich sehenswert und obwohl unterschiedlich, hässlich oder alles ist wunderschön und von sehr unterschiedlichem Charme. Natürlich kann ich nur Letzterem zustimmen!
Mir ist in letzter Zeit häufig die Frage durch den Kopf gegangen, wieso es nicht geläufig ist, einfach mal die Deutschlandkarte rauszukramen, eine Stadt oder Gegend auszusuchen (am besten eine, die man noch nicht kennt) und hinfährt. Im Moment mache ich doch auch nichts Anderes und mal ganz abgesehen davon, sprechen die Entfernungen und somit die Reisekosten eindeutig für Deutschland und gegen Kanada (selbst im Vergleich zu dem kleinen Stückchen, das ich bis jetzt erst bereist habe!). Um den Vergleich mal deutlicher zu machen: Ich habe gerade eine 40stündige Busfahrt von Whitehorse nach Kelowna hinter mir. Auf der Landkarte ist die Entfernung zwischen den beiden Städten so groß wie die von Kaiserslautern nach Stuttgart. Leider unterscheiden sich die Maßstäbe beider Landkarten ein wenig…
Viele von euch haben bestimmt auch schon die Erfahrung gemacht, dass Fremde nicht wirklich eine Ahnung von Deutschland haben. Ich meinerseits bin schon sehr froh, dass ich noch nicht gefragt wurde, ob es in Deutschland denn schon fließendes Wasser gebe.
Meine Lieblingsfrage ist jedoch: „Liegt das (Trier/Kaiserslautern) südlich oder nördlich von München?!“
Ich werde meistens nach den großen Städten wie Frankfurt, Hamburg, Berlin und München gefragt, da es die geläufigtsen Ziele von Urlaubern sind. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass schon mehr Kanadier in München waren wie ich, was nicht schwer ist, denn ich möchte gerade sagen, dass ich – als Deutsche – noch nie in München war, wo doch schon so viele Kanadier dort waren.
Meine nächste Städtereise ist also schon festgelegt: München.
Lektion IV: Über das Antworten und das Bleibenlassen
Unabhängig davon wo man sich in Kanada befindet (ok, an der Ostküste war ich noch nicht, aber ich bezweifele, dass dort eine Ausnahme herrscht), die Kanadier sind alle furchtbar offen und freundlich.
Das freundliche Zunicken oder das häufiger vorkommende Aneinandervorbeigehen und Ignorieren von Menschen in seiner Umgebung, wie es in Deutschland praktiziert wird, ist hier kaum vorzufinden. Sobald man in Kanada einen Raum betritt, in dem sich Einheimische befinden oder plötzliche Einem gegenübersteht, ertönt ein „Hi! Wie geht es dir?!“
Hierbei hat man als unwissender Neuankömmling zunächst Schwierigkeiten beim Antworten: Für wen ist dies nur eine simple Höflichkeitsfloskel und ist somit nicht wirklich an einer Entgegnung meinerseits interessiert und wer wendet sich nach diesen Worten nicht gleich wieder ab, sondern schaut einem immer noch erwartungsvoll und gespannt auf die Antwort an?!
Mittlerweile habe ich den Dreh ganz gut raus und habe aufgrund meiner deutschen Zurückhaltung sogar noch ein Verständnis dafür entwickelt, wann es überhaupt angebracht ist sich offen wie ein Kanadier oder schweigsam wie ein Deutscher zu verhalten. Denn hey – selbst der waschechteste Kanadier hat morgens um halb 7 keine Lust mit der Café-Angestellten über seinen Gemütszustand oder sein Wochenende zu plaudern. Er will einfach nur seinen „granndei lattéi“.
Lektion V: Darüber, wie schön sein Zuhause doch ist
Dies ist wohl die wichtigste und schnulzig-moralischste Lektion, die ich in den letzten Wochen gelernt habe.
Sie war das, was ich aller Erstes merkte. Einmal abgesehen vom Heimweh fing es damit an, dass man mir eröffnete, dass es mich in Kanada selbst dann Geld kostet, wenn ich eine SMS oder einen Anruf von einem anderen kanadischen Telefon empfange. Ziemlich schnell merkte ich auch, dass die Nordamerikaner kaum Geschmack im Bereich des Essens und Trinkens haben. Ich toaste heute noch mein Brot, obwohl es für sie tatsächlich Brot und kein Toast ist. Die Frühstücksbackwaren haben allesamt die Konsistenz von Wackelpudding! Plötzlich werde ich auch zum Leitungswasser-Trinker, da es kein Sprudel mit Kohlensäure zu kaufen gibt (außer natürlich Sprite, Cola, Fanta etc., das hat alles Kohlensäure..). In den Fast Food-Ketten wird erst gar kein Bonaqua und Lift als weniger zuckerhaltige Getränke angeboten.
Es gibt noch hundert solche Kleinigkeiten, von denen man vorher nie erwartet hätte, sie überhaupt anders als in Deutschland vorzufinden.
(Architektur fällt mir da noch als Beispiel ein. Man könnte ja meinen, alle Industrieländer haben den bestmöglichen Standard im Häuserbau. Nein.. Bei der Dicke der Wände und Fenster hier kann ich gleichzeitig meinen WG-Mitbewohner im anderen Zimmer im Bett rumdrehen und meinen Nahbarn im anderen Haus duschen hören.)
Natürlich habe ich jetzt nur eher belanglose Dinge angeführt. Ich gehe doch schwer davon aus, dass alle von euch wissen, dass ich mich am meisten nach den so vertrauten Dingen, wie die Familie, das Zuhause, die Freunde und das zweite Zuhause Otterbach sehne.
Kaiserslautern kommt mir plötzlich so richtig hübsch und spannend vor ;)
Erstes Ziel erreicht!
Nanaimo, hier bin ich! Nach einer Anfahrtsreise von 6 1/2 Stunden bin ich nun auf Vancouver Island angelangt und die Entdeckungstour kann beginnen!
Berichte zu meinen einzelnen Etappen findet ihr wie immer unter "Aktuelles".
Auf zu neuen Ufern!
Ich bin nun schon 3 1/2 Monate in Vancouver. Bisher fand ich es auch überhaupt nicht schlimm so lange an einem Ort zu bleiben, denn erstes gibt es hier sehr viel zu sehen und zu erleben und zweitestens war das eine gute Gelegenheit den kanadisch-amerikanischen Lebenstil näher kennen zu lernen.
Doch jetzt ist es soweit. Noch 2 Nächte auf diesem Bett, auf dem ich gerade sitze und dann - pünktlich zum Anfnag eines neuen Monats - schnalle ich mir meinen Rucksack auf und mache den ersten kleinen Schritt um das große Kanada weiter zu entdecken.
Ich bin sogar nicht alleine, denn Caro, eine meiner Mitstreiterinnen aus Trier stürzt sich mit mir in das Abenteuer!
Wir haben sogar schon ganz eifrig 13 Tage der Reise geplant und gebucht. Die einzelnen Etappen findet ihr in der Kategorie "Reise". Wo wir nach diesen 13 Tagen landen steht allerdings noch in den Sternen ;)
Angekommen
15:00 Uhr nach kanadischer Uhrzeit (0 Uhr in Deutschland)
Nun ist es passiert: Ich bin in Kanada.
Der Abschied von zuhause war schlimm, der Flug sehr lang und unbequem.
Von Vancouver hab ich allerdings noch nicht so viel gesehen.
Soweit geht es mir - zumindest physisch - gut, ich komm aber immer noch nicht zurecht mit der Vorstellung hier fast ein ganzes Jahr zu verbringen.
Hallo alle zusammen!

Wie die meisten von euch wohl wissen, werde ich demnächst für fast ein Jahr nach Kanada fliegen!
Abreisedatum ist der 14. Mai 2009 und damit ich mich 8000 km von Kaiserslautern entfernt nicht so einsam fühlen muss und ihr ständig über meinen Aufenthaltsort, meine Arbeit und meine Reisen informiert sein könnt, habe ich mal diese Seite hier "eröffnet".
Für alle, die schon vorausschauen wollen: Ich komme spätestens am 2. April 2010 zurück nach Kaiserslautern! Mein bereits gebuchter Rückflug geht am 1. April 2010 von Toronto nach Frankfurt, allerdings bin ich erst aufgrund der Dauer des Fluges und der Zeitverschiebung den nächsten Morgen in Deutschland.
Anne's Kanada-Homepage

